Der spirituelle Herzraum verbindet innere Heilungsprozesse und spirituelle Bewusstseinsöffnungen. Viele Menschen betrachten diese beiden Bereiche getrennt voneinander. Doch gehört die Aufarbeitung und Heilung innerer Themen und schmerzhafter Traumata genauso zur Spiritualität, wie das Erforschen energetischer Bewusstseinsbereiche jenseits der Materie. Der spirituelle Herzraum ist die Liebe in der Verbindung aus Allem, was materiell-grobstofflich ist und allem, was nicht-materiell feinstofflich ist.
Sobald ein spiritueller Weg in Liebe gegangen wird, hört das alte hierarchische spirituelle Denken auf, bei dem versucht wird, die Materie einfach nur zu transzendieren. In der alten Betrachtung wird die Materie oftmals als „Maya bzw. Illusion“ degradiert und alles was unendlich und lichtvoll ist, wird als Wahrheit bezeichnet und als Ziel auf ein Podest gesetzt. Interessanterweise schließt genau diese Betrachtung meistens innere Heilungsprozesse und Traumaarbeit aus. Doch genau hierin liegt eines der größten kollektiven Traumata der Spiritualität: Das Leugnen, dass das menschliche Dasein in der Materie auch spirituell ist. Denn sobald das alte Trauma heilt und die Liebe in den spirituellen Weg eines Menschen zurückkehrt, werden die körperliche und emotionale Ebenen wieder in den spirituellen Prozess miteinbezogen. Plötzlich geht es nicht mehr darum irgendetwas loszuwerden, sondern das ganze menschliche Dasein, mit aller Schönheit und allem Schmerz, zu umarmen und in Liebe zum Herzraum zu bringen.
DARF „ICH“ SEIN?
Auf dem spirituellen Weg des Herzraumes wird das Ego zum Lernfeld und schlussendlich zu einem geliebten Freund. Denn auch, wenn das Ego all unseren Schmerz und ungesunde Verhaltensweisen beinhaltet, so möchten auch diese Dinge nicht einfach weggeschoben werden. Jedes Ungleichgewicht sehnt sich nach Liebe und möchte herzliche Zuwendung erfahren. Die meisten Menschen wurden in der Kindheit mehr oder weniger vernachlässigt und innere Herzensanliegen und schmerzhafte Gefühle wurden nicht beachtet. Und genau diese Ablehnung des „Ich“, die viele Menschen erfahren haben, wird dann auf den spirituellen Weg übertragen und unbewusst weitergelebt indem man einfach gleichermaßen das „Ich“ (Ego) ausgrenzt und ablehnt. Man lehnt dann im Namen der Spiritualität alles Unbequeme und jeden Schatten ab und strebt nach dem Licht und der Einheit. Dabei spricht prinzipiell nichts gegen die Zuwendung zum Lichtvollen im Menschen, auch das ist ein essenzieller Teil des spirituellen Prozesses! Doch sobald das Streben zum Licht einseitig wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die verdrängten Schatten einen Menschen ihn einholen. Die Einheit des Herzraumes trägt stets die Sehnsucht in sich, das lichtvolle und das schattenhafte im Menschen in Liebe zu vereinen. Natürlich brauch es auch hier eine gewisse Unterscheidungskraft, Selbstreflektion und Hinwendung zum inneren Ungleichgewicht, sodass das Ego eines Menschen aufhört selbstablehnend und selbstzerstörerisch zu sein. Und gleichzeitig entfällt die die Last des alten Konzepts „das ICH loswerden zu müssen“. Denn genau dieses „Ich“ als Mensch hat so viel Schönheit und die Möglichkeit die Liebe deines Herzens zu leben und zu erfahren.
DER HERZRAUM HAT SPIELRAUM
Das Besondere am Herzraum ist, dass durch ihn ersichtlich wird, dass Liebe nichts „Perfektes“ ist. Denn ganz oft haben wir im spirituellen Prozess den Eindruck, wir müssten auf irgendeine Art perfekt oder ideal werden. Der Herzraum, mit dem Symbol der liegenden 8, zeigt uns, dass sowohl nach links als auch nach rechts ein Spielraum ist. Die Liebe des Herzens wird uns also nicht erst dann zuteil, wenn wir exakt in der Einheit (Mitte) sind, sondern wenn wir uns im Rahmen des Herzraumes fließend bewegen und lernen mit dem Leben zu schwingen.
ERWACHEN IM HERZEN
Die bewusste Beschäftigung mit dem Herzraum führt einen Menschen, wie gesagt, nicht an authentischen Heilungsprozessen vorbei. Doch gibt es im Zuge von Heilungsprozessen irgendwann eine Art Grenze an der man spürt, dass man mit einem bestimmten Thema oder Schmerz in der Heilung nicht weiterkommt. Und obwohl man schon viel innerlich daran gearbeitet hat und in diesem Thema bereits gewachsen ist und es nicht mehr so stark ist: Es ist noch da! Spätestens nun ist der Punkt erreicht, an dem der spirituelle Heilungsprozess in den Erwachensprozess übergehen möchte. Denn gerade besonders intensive innere Themen liegen uns intensiv auf dem Nervensystem, wodurch es nicht so leicht ist eine tiefe Entspannung und Frieden im Menschsein zu erfahren. An diesem Punkt geht es darum auch transzendentale spirituelle Erfahrungen aufzusuchen, um tief im eigenen Bewusstsein den „unbewussten Kampf gegen das Leben“ zu beenden. Denn all unsere Themen, Schmerzen und Traumata bündeln sich wie Fäden tief in uns zu einem Strang und führen zu unserem Ur-Schmerz: Der Schmerz überhaupt Mensch zu sein. Wer diese Ebene nie berührt hat, für den werden diese Worte eventuell abstrakt klingen und man mag denken „Aber ich mag mein Leben doch“. Doch das wird hier auch nicht in Frage gestellt, denn es gibt einen (meist verborgenen) Bereich im menschlichen Bewusstsein, der mit dem Leben hadert. Ob wir es an der Oberfläche bemerken oder nicht, dieser Bereich ist da und beeinflusst unser Leben in allen Bereichen. In diesem Bereich liegt eine Art „letzte Kontrollinstanz“, die mit einer nervlichen Anspannung den Schmerz des Menschseins unterdrückt, um ihn nicht fühlen zu müssen. Ein Schmerz, der sowohl das weltliche Leben, als auch sich selbst ablehnt. Und genau dieser Schmerz hält uns unbewusst davon ab, die Liebe der Quelle unseres Seins zu erfahren. Es ist ein Bereich in den man nur mit seinem Bewusstsein, durch ein sehr tiefes Loslassen vordringen kann, sodass der Heilungsprozess in ein spirituelles Erwachen übergeht und wir im Rahmen einer einzigartigen Einheitserfahrung die Liebe und Vollkommenheit dieser Schöpfung erfahren. Es ist eine Erfahrung, die jenseits des ICH liegt, eine wundervolle Dimension im Menschen, die Nicht-ICH ist. Solche Erfahrungen können in ihrer Intensität unterschiedlich stark oder sanft sein, doch haben sie alle eines gemeinsam: Eine zelltiefe Erinnerung an die eigene Schönheit und an die Schönheit des Wunders dieses Lebens. Dieser Prozess passiert meistens in mehreren Etappen des Erwachens und jede Etappe ist wie eine Art Einweihung in das große Mysterium dieser Schöpfung. Es ist der Bereich im Herzraum, der als Zuhause unserer Seele wahrgenommen wird. Durch die Verbindung mit diesem Zuhause realisiert ein Mensch immer mehr, dass jeder immer geliebt und mit der Quelle verbunden ist und es in diesem Leben nichts bestimmtes zu erreichen gibt. Je mehr ein Mensch in diesem Zuhause ruht, umso entspannter wird sein Nervensystem, während er jedoch wach und präsent als Mensch im Leben steht. Durch die Berührung des Zuhauses im Herzraum entfällt auch jede Sehnsucht danach zu erleuchten, das irdische Leben zu transzendieren oder zu versuchen Gedanken und das ICH wegzumachen. Denn plötzlich bekommt alles einen Raum im Menschen. Auch all das, was früher unbequem, widersprüchlich, grobstofflich oder schmerzhaft erlebt wurde. Es darf nun auf einer inneren Ebene „da sein“. Dieses „Dasein-dürfen von allem was ist“ spiegelt die Schöpfung dann als lebendige und freudvolle Erfahrung in unserem Bewusstsein wider. Das Hadern unseres Ur-Schmerzes entspannt sich und das alte dramatische Schauspiel des verletzten ICH heilt. Alles im Menschen wird dadurch ruhiger und wacher, wodurch die eigene wahre Essenz immer mehr erfahren und gelebt werden kann: Die Liebe des spirituellen Herzraumes.
~ Danke für dieses Leben ~